Was eine Studie mit Geschichten über Freundschaft gezeigt hat
2006 hat ein Forschungsteam um Lindsey Cameron und Adam Rutland in England 253 Kindern zwischen 5 und 11 Jahren Geschichten vorgelesen. Sechs Wochen lang, einmal pro Woche, in kleinen Gruppen von zwei oder drei Kindern.
In den Geschichten ging es um Freundschaften zwischen englischen Kindern und geflüchteten Kindern. Die Kinder, die zuhörten, waren alle weiß und englisch. Geflüchtete Kinder gab es an ihren Schulen kaum.
Das Besondere: Die Geschichten waren in drei Versionen geschrieben.
In der ersten ging es vor allem um die einzelnen Kinder. Wer gut Fußball spielt, wer Tiere mag.
In der zweiten ging es um das Gemeinsame. Alle Figuren gingen auf dieselbe Schule wie die zuhörenden Kinder, sogar die Lehrkräfte in der Geschichte hatten dieselben Namen. Wir sind alle eine Schule.
Und in der dritten ging es um beides. Die gemeinsame Schule – und dass die einen englisch sind und die anderen geflüchtet, mit allem, was dazugehört. Gemeinsamkeiten und Unterschiede wurden nach dem Vorlesen offen besprochen.
Nach allen drei Versionen dachten die Kinder freundlicher über geflüchtete Kinder als eine Vergleichsgruppe ohne Geschichten.
Am deutlichsten aber nach der dritten.
In der Forschung heißt das duale Identität. Übersetzt: Wir gehören zusammen. Und du bleibst dabei du.
Wir sind doch alle gleich ist ein schöner Satz. Aber für ein Kind, das gerade gesagt hat, dass es anders feiert, kann er sich anfühlen, als wäre das Andere nicht so wichtig. Die Studie deutet darauf hin, dass Verbindung eher entsteht, wenn beides Platz hat.
Ehrlich eingeordnet: In der Studie ging es um geflüchtete Kinder, nicht um Religion oder Feste. Gemessen wurde vor allem, wie die Kinder über die andere Gruppe dachten – ob sie auch mehr mit geflüchteten Kindern unternehmen wollten, hat sich viel weniger deutlich verändert. Und die Gruppen waren mit zwei oder drei Kindern viel kleiner als eine Klasse. Die Studie zeigt eine Richtung. Was sie im Dezember in deinem Raum bedeutet, siehst du selbst.