Was im Kopf passiert, wenn man ein Gefühl benennt
2007 hat ein Team um den Psychologen Matthew Lieberman an der UCLA Menschen in einen Hirnscanner gelegt und ihnen Fotos von wütenden und ängstlichen Gesichtern gezeigt.
Mal sollten sie zwei gleiche Gesichter einander zuordnen. Mal sollten sie das Gefühl darin benennen.
Der Unterschied war messbar: Sobald ein Wort für das Gefühl gefunden war, wurde die Amygdala ruhiger – das Areal, das bei Bedrohung als Erstes anspringt. Dafür wurde ein Bereich im Stirnhirn aktiver, der beim Regulieren von Gefühlen mitarbeitet.
In der Forschung heißt das affect labeling.
Ich studiere Medizin und lese solche Studien eher, als mir guttut. Diese hier ist mir hängen geblieben, weil sie etwas zeigt, das man im Klassenzimmer jeden Tag sieht und selten erklären kann: Ein Gefühl wird kleiner, wenn es einen Namen bekommt.
Aber ehrlich: Die Studie wurde mit Erwachsenen gemacht, nicht mit Siebenjährigen. Ob der Effekt bei Kindern genauso stark ist, zeigt sie nicht. Sie zeigt eine Richtung – und die passt verdächtig gut zu dem, was im Morgenkreis passiert.
Denn gut ist kein Gefühl. Gut ist ein Sammelbecken. Da passt alles rein, was ein Kind gerade nicht benennen kann.