Warum der erste Satz nicht trösten muss
In einer Studie, die 1996 erschienen ist, hat ein Forschungsteam um John Gottman an der University of Washington Familien mit fünfjährigen Kindern begleitet. Die Frage war: Wie gehen Eltern mit den schweren Gefühlen ihrer Kinder um – und was macht das mit den Kindern?
Das Team hat zwei Grundhaltungen beschrieben.
Die einen Eltern versuchten, Traurigkeit oder Wut möglichst schnell wegzubekommen. Ablenken, beruhigen, übergehen. Ist doch nicht so schlimm.
Die anderen nahmen das Gefühl erst einmal wahr. Sie halfen dem Kind, ein Wort dafür zu finden, und sahen den Moment als Gelegenheit, näher zusammenzukommen.
In der Forschung heißt das zweite emotion coaching.
Drei Jahre später, mit acht, wurden die Kinder dieser Eltern von ihren Lehrkräften als sozial kompetenter eingeschätzt.
Das passt zu dem, was im ersten Artikel über das Gefühlswetter stand: Ein Gefühl wird kleiner, wenn es einen Namen bekommt. Wer es schnell wegtröstet, nimmt dem Kind manchmal genau diesen Moment.
Aber ehrlich eingeordnet: Die Studie wurde mit Familien gemacht, nicht in Klassenzimmern. Sie hat beobachtet, nicht verglichen – ob das Coaching die Ursache war oder ob andere Dinge in diesen Familien mitgespielt haben, kann sie nicht sicher sagen. Und Eltern zu Hause haben ein Kind vor sich, keine 24.
In England wird Emotion Coaching inzwischen auch in Schulen und Kitas erprobt. Eine erste Pilotstudie dazu gab es 2015, mit 127 Fachkräften in einer ländlichen Region. Das ist ein Anfang, kein Beweis. Die Richtung ist trotzdem bemerkenswert.